Tauchen im Urlaub: Welche Ausrüstung gehört ins Gepäck?

Tauchen im Urlaub: Welche Ausrüstung gehört ins Gepäck?

Erster Tauchgang am Hausriff bei gut 20 Metern Sicht. Nach zwei Minuten läuft Wasser in die Leihmaske. Man drückt sie an, bläst sie aus, drückt sie wieder an. Den Rotfeuerfisch unter dem Korallenblock sieht man nur verschwommen. Wer so einen Urlaubsauftakt einmal erlebt hat, packt beim nächsten Mal anders.

Das heißt nicht, dass die komplette Ausrüstung mitfliegen muss. Eine vollständige Tauchausrüstung wiegt je nach Zusammenstellung 12 bis 18 kg und sprengt damit schnell das übliche Freigepäck von 20 oder 23 kg, sobald noch Kleidung dazukommt. Entscheidend ist deshalb eine andere Frage, nämlich welche Teile Ihnen am Urlaubsort niemand gleichwertig ersetzen kann.

Was sollten Sie selbst mitnehmen und was vor Ort leihen?

Die Grenze trennt körpernahe Teile von genormtem Material. Eine Maske muss zu Ihrem Gesicht passen, ein Neoprenanzug zu Ihrer Statur, ein Tauchcomputer zu Ihren Gewohnheiten. Eine Tauchflasche dagegen ist eine Tauchflasche.

Flaschen und Blei bleiben deshalb fast immer zu Hause. Beides ist in den meisten Tauchpaketen enthalten, Flaschen dürfen im Flugzeug ohnehin nur vollständig entleert befördert werden. Viele Basen im Ausland füllen mitgebrachte Flaschen aus Sicherheits- und Wartungsgründen zudem gar nicht erst.

Beim Jacket und beim Atemregler hängt die Antwort davon ab, wie oft Sie tauchen. Wer einmal im Jahr eine Woche am Roten Meer verbringt, fährt mit gut gewarteter Leihausrüstung in der Regel gut. Wer mehrmals jährlich reist, kennt den eigenen Regler und dessen letzte Revision. Unter Wasser muss er sich dann nicht erst an ein fremdes Atemgefühl gewöhnen.

Ausrüstung

Empfehlung

Warum

Maske

Mitnehmen

Die Passform ist individuell, eine undichte Maske verdirbt jeden Tauchgang

Tauchcomputer

Mitnehmen

Eigene Einstellungen, vertraute Bedienung, Logbuch und Flugverbotszeit

Neoprenanzug

Mitnehmen, wenn er zur Wassertemperatur passt

Sitz und Hygiene, ein schlecht sitzender Anzug wärmt kaum

Flossen und Füßlinge

Mitnehmen, falls vorhanden

Passform, keine Blasen an den Fersen nach dem zweiten Tag

Atemregler und Jacket

Abwägen

Schwer und teuer, lohnt sich vor allem für Vieltaucher

Flasche und Blei

Vor Ort

Meist im Tauchpaket enthalten, Flaschen fliegen nur vollständig entleert


Bei der Maske lohnt sich kein Kompromiss. Sie ist eines der günstigsten Teile der Ausrüstung und zugleich jenes, das einen Tauchgang am schnellsten ruiniert. Eine neue Maske trägt außerdem Rückstände aus der Herstellung auf dem Glas. Sie lassen das Glas beschlagen, weshalb die Maske schon zu Hause gründlich gereinigt werden sollte. Am Steg ist dafür keine Zeit mehr.

Beim Anzug entscheidet die Wassertemperatur am Ziel. Ein 7-mm-Anzug für Indonesien ist nicht nur zu warm, er wiegt auch unnötig viel. Fragen Sie vor der Buchung bei der Basis nach, welche Temperaturen in Ihrer Reisezeit üblich sind.

Warum gehören Tauchcomputer und Taucheruhr zusammen ans Handgelenk?

Der Tauchcomputer ist das wichtigste Stück, das Sie selbst mitbringen. Er kennt Ihre Einstellungen, zeigt nach dem letzten Tauchgang die Flugverbotszeit an und speichert Ihre Tauchgänge für das Logbuch. Ein geliehenes Gerät kann anders konfiguriert sein als Ihres. Das merkt man oft erst unter Wasser.

Doch auch ein Computer kann ausfallen, etwa wegen einer leeren Batterie mitten in der Tauchwoche. Dann wird der Tauchgang beendet, langsam aufgestiegen und der Sicherheitsstopp eingehalten. Für diese drei Minuten braucht es eine Zeitanzeige, auf die Verlass ist. Genau dafür gibt es die Taucheruhr mit ihrer drehbaren Lünette, auf der Sie den Beginn des Tauchgangs markieren.

Nicht jede wasserdichte Uhr ist allerdings eine Taucheruhr. Eine Angabe wie 100 m auf dem Gehäuseboden bedeutet noch nicht, dass sie zum Tauchen taugt. Maßgeblich ist die Norm ISO 6425. Sie verlangt eine Wasserdichtheit von mindestens 100 m, geprüft mit einem Druck, der 25 % über dem angegebenen Wert liegt. Hinzu kommen eine nur in eine Richtung drehbare Lünette, damit sich die Tauchzeit nie versehentlich verkürzt, eine Ablesbarkeit aus 25 cm Entfernung in völliger Dunkelheit sowie eine Anzeige, an der man erkennt, dass die Uhr läuft. Auch Salzwasser und Magnetfelder gehören zum Prüfprogramm.

Die japanische Uhrmacherei hat diese Entwicklung früh geprägt. Die erste Taucheruhr Japans stellte Seiko 1965 vor, wasserdicht bis 150 m. Zehn Jahre später folgte ein Modell für 600 m mit dem weltweit ersten Titangehäuse bei einer Taucheruhr. Den Anstoß dazu gab der Brief eines Berufstauchers aus der Präfektur Hiroshima, dessen Uhren den Bedingungen des Sättigungstauchens nicht standhielten. Für den Urlaub braucht niemand 600 m, doch die Geschichte zeigt, wie direkt solche Uhren aus der Praxis unter Wasser entstanden sind.

Im Alltag der Tauchwoche zählen zwei Handgriffe. Tragen Sie die Uhr über dem Ärmel des Anzugs, denn Neopren wird in der Tiefe zusammengedrückt und das Armband sitzt dort lockerer als an der Oberfläche. Ein Kautschukband oder eine Taucherverlängerung am Metallband gleicht das aus. Nach jedem Tauchtag spülen Sie die Uhr mit Süßwasser ab, die Krone bleibt unter Wasser immer verschraubt.

Was gehört ins Handgepäck, was in den Koffer?

Ins Handgepäck gehört alles, was teuer, empfindlich oder im Urlaub schwer zu ersetzen ist. Der Atemregler steht dabei an erster Stelle. Er ist oft das wertvollste Einzelteil der Ausrüstung. Ein harter Aufprall beim Verladen kann die erste Stufe beschädigen, ohne dass man es von außen sieht. Tauchcomputer und Maske kommen ebenfalls mit in die Kabine, das Tauchmesser dagegen in jedem Fall in den aufgegebenen Koffer.

Bei Tauchlampen und Kamera-Akkus gelten die Gefahrgutregeln für Lithium-Batterien. Ersatzakkus und Powerbanks dürfen ausschließlich ins Handgepäck, jeweils einzeln gegen Kurzschluss gesichert. Bis 100 Wh ist keine Genehmigung nötig. Zwischen 100 und 160 Wh braucht es die vorherige Zustimmung der Fluggesellschaft, erlaubt sind dann höchstens zwei lose Akkus. Alles über 160 Wh ist im Passagiergepäck verboten. Manche Airlines verlangen zusätzlich, dass die Lampe zerlegt und der Akku entnommen wird, Transavia etwa lässt Unterwasserlampen nur so in die Kabine.

Auch beim Freigepäck lohnt der Blick in die Beförderungsbedingungen. Einige Fluggesellschaften bieten einen Sondertarif für Tauchgepäck an, Transavia beispielsweise für eine erkennbare Tauchausrüstung bis 15 kg, sofern sie separat verpackt ist. Andere rechnen die Ausrüstung schlicht ins normale Freigepäck ein. Wer beides vergleicht, spart oft mehr als bei der Wahl des Flugtages.

Für den Transport selbst hat sich eine Kombination bewährt. Ein Hartschalenkoffer schützt auf dem Hinweg Flossen, Jacket und Zubehör, der zusammengerollte Anzug dient darin als Polster. Auf dem Rückweg ist eine Tasche aus luftdurchlässigem Material praktischer, weil Neopren selten vollständig trocken ist, wenn der Transfer zum Flughafen kommt.

Welche Papiere verlangt die Tauchbasis?

Das Brevet brauchen Sie auf jeden Fall, ob als Karte oder in der App Ihres Ausbildungsverbands. Das Logbuch ist fast ebenso wichtig, denn viele Basen fragen nach Ihrer Erfahrung und dem Datum des letzten Tauchgangs. Nach einer längeren Pause wird häufig ein Checktauchgang verlangt. Eine Tauchversicherung, die Bergung und Druckkammerbehandlung abdeckt, gehört ebenfalls in die Reiseunterlagen.

Viele Basen lassen sich außerdem vor dem ersten Tauchgang einen medizinischen Fragebogen unterschreiben. Die aktuelle deutsche Fassung, wie sie PADI verwendet, umfasst zehn Fragen. Wer alle mit Nein beantwortet, braucht keine ärztliche Beurteilung. Schon die zweite Frage lautet allerdings, ob man über 45 Jahre alt ist. Ein Ja führt dort zu weiteren Fragen. Bei bestimmten Antworten wird eine ärztliche Untersuchung Pflicht.

Füllen Sie den Bogen deshalb schon zu Hause aus. Am Urlaubsort einen Arzt zu finden, der die Tauchtauglichkeit bestätigt, kostet Zeit und oft genug den ersten Tauchtag.

Welche Kleinigkeiten retten den Tauchurlaub?

Ein kleines Ersatzteilset wiegt fast nichts und erspart manche Enttäuschung am Boot, etwa O-Ringe, ein Maskenband, ein Mundstück und ein Flossenband. Dazu kommt ein Antibeschlagmittel für die Maske.

Bei der Sonnencreme lohnt ein Blick auf die Inhaltsstoffe. In Hawaii sind Produkte mit Oxybenzon und Octinoxat seit dem 1. Januar 2021 verboten. Palau ahndet korallenschädliche Stoffe seit 2020 mit Bußgeldern von umgerechnet bis zu rund 900 Euro. In den Meeresschutzgebieten Thailands gelten seit 2021 vergleichbare Regeln. Cremes mit mineralischen Filtern wie Zinkoxid oder Titandioxid sind die unkomplizierte Lösung.

Warum sollte der letzte Urlaubstag ohne Tauchgang bleiben?

Nach dem Tauchen ist im Körper noch Stickstoff gelöst, der sich bei sinkendem Kabinendruck zu Bläschen formen kann. Das Divers Alert Network empfiehlt deshalb mindestens 12 Stunden Pause nach einem einzelnen Nullzeittauchgang und mindestens 18 Stunden nach mehreren Tauchgängen am Tag oder mehreren Tauchtagen in Folge. Nach Dekompressionstauchgängen sollte die Pause deutlich länger ausfallen. Eine typische Tauchwoche fällt klar in die zweite Kategorie.

Zeigt Ihr Computer eine längere Flugverbotszeit an, gilt dieser Wert. Viele erfahrene Taucher planen ohnehin 24 Stunden ein. Das hat auch einen praktischen Vorteil beim Packen. Die Ausrüstung braucht einen Tag, um gespült zu werden und zu trocknen. Ein nasser Anzug im Koffer riecht nach der Landung nicht nur unangenehm, er bringt auch zusätzliches Gewicht auf die Waage am Check-in.